In der Begründung der Jury heißt es: «Jochen Schmidt ist einer der großen Alltagserkunder in der deutschsprachigen Literatur. Seit er die Lesebühne ‘Chaussee der Enthusiasten’ mitbegründete, ist die gesprochene Sprache ein Hauptreservoir seiner Autorschaft, ganz in der Tradition humoristischen Erzählens in der deutschen Literatur.
In seinem seit Jahrzehnten ständig wachsenden Werk lauscht er der unablässig verschwindenden Gegenwart ihre Obsessionen, Illusionen und Ängste ab. Mit nicht nachlassender Energie spürt er als leidenschaftlicher Lexikograph den allgegenwärtigen, den verblassten und verblassenden Redewendungen nach und inspiziert das Sortenlager von Objekten und Alltagsgeräten zwischen Ausrangiertem und neuester Technologie. In der Kurzprosa seiner Zeitungskolumnen und Blogtexte wie in den Erzählungen und Romanen, aber auch in seinen essayistischen Kommentaren zur Weltliteratur, ob sie Gontscharows ‘Oblomow’ vor Augen stellen oder sich dem Experiment täglicher Proust-Lektüre aussetzen, sind seine Ich-Figuren in ihrem Hier und Jetzt verankert. Eben dadurch tritt der Echoraum hervor, in dem sie stehen.
Die literarische Wünschelrute Jochen Schmidts ist auf das sprechende Detail geeicht, das in der Wahrnehmung oder der Erinnerung hervortreten kann. So ist in seinem Werk ebenso unaufdringlich wie unverkennbar die Zeitgeschichte enthalten, von Nationalsozialismus und Krieg über den Widerschein der Bundesrepublik und ihrer Warenwelt in der ostdeutschen Kindheit bis zur alltagsprägenden Dynamik der Digitalisierung und den Imperativen der Selbstoptimierung, gegen die ihr Autor und seine Figuren sanft, aber beharrlich rebellieren.»
Die feierliche Verleihung findet am 18. September 2026 in Koblenz statt, der Geburtsstadt von Joseph Breitbach.






