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Im April zeigt sich die SRF-Bestenliste in neuer Frische: Vier Autorinnen feiern ihren Einstieg und sorgen für einen spürbaren Frühlingseffekt in der Literaturauswahl. Angeführt wird das Ranking von der Schweizerin Flurina Badel, deren Roman «Nebelflüchtige» sich souverän an die Spitze setzt.
5. Svenja Leiber: «Nelka» (21 Punkte)
Svenja Leiber: «Nelka». 200 Seiten. Suhrkamp Verlag, 2026.
Suhrkamp/SRF
Nelka, 16, aus Lemberg, wird 1941 auf einen norddeutschen Gutshof verschleppt. Dort fällt sie dem Gutsverwalter ins Auge. Ihr Wissen über die Veredelung von Apfelbäumen schützt sie zunächst vor seinen Annäherungen. Jahre später kehrt Nelka an den Ort der Gewalt zurück. Sie sucht die Konfrontation, um sich endlich von einer Vergangenheit zu lösen, die sie nie vergessen konnte.
Svenja Leiber schildert das Leben der Zwangsarbeiterin Nelka, ohne Täter- und Opfer-Klischees zu bemühen. Ihr sorgsam komponierter Roman verbindet Eindringlichkeit und Nüchternheit mit poetischer Leuchtkraft.
4. Gabriella Zalapì: «Ilaria» (22 Punkte)
Gabriella Zalapì: «Ilaria». Aus dem Französischen von Claudia Steinitz. 162 Seiten. Suhrkamp Verlag, 2026.
Suhrkamp/SRF
Die 8-jährige Ilaria hängt kopfüber an einer Metallstange auf dem Schulhof in Genf, als ihr Vater sie mit dem Auto abholt. Anstatt sie zur Mutter zu bringen, fährt er mit Ilaria über die Grenze nach Italien. Es ist der Beginn einer Entführung. Für ihren Roman hat sich die französischsprachige Schriftstellerin mit Schweizer Wurzeln von ihrer eigenen Lebensgeschichte inspirieren lassen.
Es ist ein stilles, unglaublich intensives und kluges Buch, das man nicht mehr aus der Hand legen kann. Ich werde noch lange an Ilaria denken.
3. Judith Hermann: «Ich möchte zurückgehen in der Zeit» (23 Punkte)
Judith Hermann: «Ich möchte zurückgehen in die Zeit». 160 Seiten. S. Fischer Verlag, 2026.
S. Fischer Verlag/SRF
Die deutsche Bestseller-Autorin Judith Hermann begibt sich auf die Spuren ihres Grossvaters: Er war überzeugter Nazi, Mitglied der Waffen-SS. Hermann kannte ihn nicht, er starb sechs Jahre vor ihrer Geburt. Über ihn geredet wurde in der Familie kaum. Ein Tabu, eine Leerstelle. Für das Buch ist Hermann ins polnische Radom gereist – an den Ort, an dem ihr Grossvater mutmasslich an einem Massaker beteiligt war, bei dem 30’000 Menschen umkamen.
Die Kunstfertigkeit Hermanns besteht einmal mehr in der Atmosphäre, die sie mit ihren Worten, ihren rhythmischen Sätzen schafft.
2. Julia Weber: «Weil ich Ruth bin» (29 Punkte)
Julia Weber: «Weil ich Ruth bin». 464 Seiten. Limmat Verlag, 2026.
Limmat/SRF
Julia Webers Protagonistin Ruth kann Menschen durch Küsse in Tiere verwandeln und mit ihrer Willenskraft Bäume fällen. Dank ihren besonderen Kräften kann sie der Welt und ihren Ungerechtigkeiten anders begegnen. Doch auch Ruth ist mit zutiefst menschlichen Krisen konfrontiert, die sich trotz ihren übermenschlichen Fähigkeiten nicht alle aus der Welt schaffen lassen.
Julia Weber erschafft einen Kosmos, der trunken macht und mich staunen lässt. Da hat sich eine Autorin in einen mitreissenden Sprachstrom geschrieben, der erst mit der letzten Seite loslässt.
1. Flurina Badel: «Nebelflüchtige» (31 Punkte)
Flurina Badel: «Nebelflüchtige». Aus dem Rätoromanischen von Ruth Gantert. 224 Seiten. Rotpunktverlag, 2026.
Rotpunktverlag/SRF
Aita kehrt nach dem Tod ihrer Mutter ins Engadin zurück und findet ein Dorf im Umbruch, das ihr fremd geworden ist. Während Erinnerungen sie überrollen, kämpft Luis im Dorfladen gegen den Ausverkauf der Heimat. «Nebelflüchtige» erzählt von Verlust und Wandel und stellt die Frage: Was bleibt, wenn das Vertraute verschwindet?
Vielstimmig, klug und sinnlich erzählt Flurina Badel von Menschen, die an der Gentrifizierung ihres Bergdorfs zu zerbrechen drohen.
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