Veröffentlicht: 19. März 2026 06:00 Uhr
Nava Ebrahimi ist eine prägende Stimme der Gegenwartsliteratur. Die im Iran geborene Bachmann-Preisträgerin stellt Menschen mit Migrationsbiografie in den Mittelpunkt ihrer Werke. Bei ihrem Besuch in Salzburg haben wir sie gefragt, wie sie mit ihrer Literatur Iraner:innen Hoffnung schenkt.
Der Hörsaal auf der Gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Salzburg ist am Dienstagnachmittag prall gefüllt. Viele Studierende sind gekommen, um Nava Ebrahimi zu hören. Zur aktuellen Situation in ihrem Geburtsland findet sie klare Worte: «Es muss sich für die Menschen im Iran gerade wie die Hölle anfühlen.“
Mit Literatur Hoffnung schenken
Die Deutsch-Iranerin wurde in Teheran geboren und kam als Kleinkind kurz nach der Islamischen Revolution nach Europa. Seitdem entwickelte sich der Iran zu einem brutalen religiösen Regime. In ihren Werken verarbeitet Ebrahimi die Schicksale von Menschen mit Migrationshintergrund. In ihrem autobiographischen Debütroman Sechzehn Wörter reflektiert die Hauptcharakterin etwa durch eine Reise in den Iran ihre eigene Herkunft.
Ihr aktuelles Buch Und Federn überall stand 2025 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis. Bereits 2021 gewann sie mit Der Cousin den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis.
Mit ihrer Arbeit ist Ebrahimi für viele Menschen aus der iranischen Diaspora zu einem Vorbild geworden. «Zu meinen Lesungen kommen häufig Iraner, die noch nicht lange im Land sind“, berichtet sie. Für diese sei es bestärkend zu sehen, dass eine Frau mit ähnlicher Biografie eine so relevante Stimme im deutschsprachigen Raum ist. «Manche wollen einfach nur mit mir plaudern“, schildert sie gegenüber SALZBURG24.
1970er als «Schlaraffenland»
Das Interesse der Community kann Ebrahimi gut nachvollziehen. Laut Statistik Austria leben rund 17.000 Iraner:innen in Österreich, dazu kommt eine große Zahl an Menschen mit iranischen Wurzeln. «Es ist für sie wichtig, gehört zu werden. Als Geflüchteter bist du häufig nur eine Nummer“, so die Autorin.
Auf die Unterdrückung im Iran blickt sie emotional: «Die Menschen brauchen einen Hoffnungsschimmer.“ Derzeit machen täglich Meldungen zu Explosionen im Iran die Runde. Sie selbst war zuletzt 2008 vor Ort. In der iranischen Community wird oft sehnsüchtig auf die 1970er-Jahre zurückgeblickt – eine Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs. «Sicher wird diese Ära verklärt, aber im Vergleich zu heute war es ein Schlaraffenland“, stellt Ebrahimi klar.
«Junge Iraner sind wahnsinnig offen»
Trotz des autoritären Systems sieht die Autorin in der Gesellschaft eine positive Dynamik. «Junge Iraner sind wahnsinnig offen und veränderungsorientiert“, erklärt sie. Dennoch sei die politische und wirtschaftliche Lage der letzten Jahre verheerend.
Eine Prognose über die politische Zukunft des Landes wagt Ebrahimi nicht, doch ihr Wunsch ist eindeutig: «Mein Traum wäre es, dass das ganze Regime jetzt kollabiert.“ Sollte das geschehen, könnte die Geschichte einer freien Schriftstellerin wie Nava Ebrahimi eines Tages vielleicht auch im Iran selbst geschrieben werden.
Deine Meinung zählt! Feedback, Lob oder Korrekturen gerne direkt an uns.
(Quelle: salzburg24)
{
const doc = new fcmsLib_Utils_Dom_Element(document);
const loginBtn = doc.down(‘[data-fcms-domid=»mythemes_login_button»]’);
const loginBox = doc.down(‘[data-fcms-domid=»open-fancybox-loginlogout»]’);
if (loginBox) {
loginBtn.bind(‘click’, () => {
document.location.hash = ‘themen’;
loginBox.fire(‘click’);
});
}
});
]]>
Themen bearbeiten
Um «meine Themen» nutzen zu können, musst Du bitte der Datenspeicherung hierfür zustimmen




