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Booker-Preisträgerin Yang Shuang-zi: Literatur ist nie ganz unpolitisch

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Der International Booker Prize, einer der renommiertesten Literaturpreise weltweit, geht in diesem Jahr an die taiwanische Autorin Yang Shuang-zi und ihre Übersetzerin Lin King. Dies wurde in der Nacht zum Mittwoch unter viel Jubel bei einer Zeremonie im Londoner Museum Tate Modern bekannt gegeben.

Das Preisgeld in Höhe von 50.000 Pfund (etwa 58.000 Euro) bekommen die Autorin und die Übersetzerin zu gleichen Teilen. Auch jeder der Kandidaten auf der Shortlist erhält eine Anerkennung von 2500 Pfund. Dazu gehören in diesem Jahr die in Berlin lebenden Autoren Shida Bazyar und Daniel Kehlmann mit ihren Romanen „Nachts ist es leise in Teheran“ und „Lichtspiel“. Dass gleich zwei Übertragungen aus dem Deutschen sich unter den Nominierten befanden, ist hierzulande sehr aufmerksam beobachtet worden – ist doch der Erfolg von Jenny Erpenbeck mit „Kairos“ von 2024 noch in guter Erinnerung.

Zwei Premieren für ein Buch

Aber auch die 2026er-Wahl hat ihre Besonderheit: Yang ist die erste Taiwanerin, die den International Booker Prize gewinnt. Und es wurde erstmals in den zehn Jahren, seit der Preis einen ins Englische übersetzten und im Vereinigten Königreich veröffentlichten Roman oder Kurzgeschichtenband würdigt, ein im Original auf Mandarin verfasstes Buch ausgewählt.

„Taiwan Travelogue“ spielt den Angaben zufolge im von Japan besetzten Taiwan der 1930er-Jahre – in politisch brisanter Zeit also. Es handelt von der Reise einer japanischen Schriftstellerin und ihrer Beziehung zu ihrer taiwanischen Dolmetscherin. Das Buch überzeuge „sowohl als Liebesroman als auch als scharfsinniger postkolonialer Roman“, sagte die Jury-Vorsitzende Natasha Brown.

In ihrer Dankrede wies Yang Shuang-zi darauf hin, dass es keine „von Grund auf“ unpolitische Literatur geben könne. Taiwan habe im Laufe der Zeit unter verschiedenen kolonialen Mächten gelitten und die Bedrohung durch Invasionen erduldet. Sie als Autorin „glaube an die Kraft der Literatur“.

In Deutschland wird seit 2009 eine ähnlich konzipierte Auszeichnung verliehen, der Internationale Literaturpreis des Hauses der Kulturen der Welt (HKW). Er gilt „übersetzten Gegenwartsliteraturen“ (also unabhängig vom Genre). Er ist so dotiert, dass 20.000 Euro an den Autor oder die Autorin, 15.000 Euro an die Übersetzerin oder den Übersetzer gehen.

Am Mittwoch hat das HKW die sechs nominierten Titel veröffentlicht – im Original auf Arabisch, Belarussisch, Englisch, Farsi, Niederländisch oder Ungarisch geschrieben. Am 3. Juli findet das Fest der Shortlist im HKW statt, bei dem auch der Gewinnertitel gekürt wird. (mit dpa)

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