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Krimi: Volker Klüpfel bringt ungewöhnliches Ermittler-Duo das zweite Mal ins Spiel

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Dem großen Namensvetter möchte Tommi Mann schon nacheifern. Er will Romane schreiben, am liebsten Bestseller. Nur in einem unterscheidet er sich: beim literarischen Anspruch. Tommi Mann hat keine Probleme, an einem abstrusen Romantasy-Plot zu arbeiten. Hauptsache: Er würde sich verkaufen. „Würde“ und „wenn“ sind überhaupt Wörter, die in Tommi Manns literarischer Karriere oft auftauchen. Denn vor allem beim gedanklichen Ausmalen seiner literarischen Karriere glänzt er. Sobald es allerdings ums Schreiben selbst geht, kommt er ins Stocken. Dafür entwickelt dieser Möchtegern-Schriftsteller langsam aber sicher ein anderes berufliches Standbein: als Ermittler in komplizierten Kriminalfällen. Volker Klüpfel schickt seinen Tommi Mann nun in „Mord ist die beste Beseitigung“ zum zweiten Mal auf Verbrecherjagd.

Volker Klüpfel legt seinen zweiten Solo-Krimi „Mord ist die beste Beseitigung“ vor

Und natürlich setzt Bestsellerautor Volker Klüpfel, der mit den Kluftinger-Krimis bekannt geworden ist und seinen zweiten Krimi allein geschrieben hat, auch wieder auf das Personal aus dem Vorgängerbuch „Wenn Ende gut, dann alles“. Und da strahlt Svetlana wieder besonders hell. Eigentlich putzt sie bei Tommi den Camper, in dem dieser verbotenerweise lebt. Uneigentlich bildet sie mit Tommi dieses ungewöhnliche und höchst skurrile Ermittler-Duo. Tommi Mann geht an alles oft wie ein literarisches Spiel heran. Er macht nach, was er anderswo gelesen hat – oder meint, gelesen zu haben. Svetlana wiederum überrascht immer wieder durch Kaltblütigkeit und Qualitäten, die man ihr erst einmal gar nicht zutraut. Aber wenn es sein muss, kann sie wichtige Informationen auch als Taschendiebin beschaffen. Vor allem hinterlässt Svetlana sprachlich wieder eine breite Spur – als Großmeisterin verdrehter Redewendungen.

Volker Klüpfel verbindet Kriminalfall mit humorvollen Elementen

Und dann gibt es da natürlich auch den Fall, in den Tommi und Svetlana durch Zufall hineinstolpern. Erst hören sie einen schon selten gewordenen Reiseruf, im Anschluss werden die beiden von der Frau im blauen Audi überholt. Doch als sie später den Wagen finden, ist die Frau spurlos verschwunden. Die Neugier der beiden ist geweckt. Und spätestens, als der Ehemann der Verschwundenen Tommi als privaten Ermittler engagiert, läuft deren Suche auf Hochtouren. Die Polizei ist auch involviert, aber Svetlanas kombinatorische Gaben verschaffen den beiden entscheidende Vorsprünge. Denn Tommi und Svetlana entdecken, dass es neben dem Tod der verschwundenen Autofahrerin auch noch einen weiteren mysteriösen Fall gibt. Wo die Polizei noch an eine einfache Beziehungstat glaubt, entdecken Tommi und Svetlana eine Fährte hin zu einem rätselhaften Club.

Als ein Meister seines Fachs hält Klüpfel die Spannung 340 Seiten lang hoch. Gleichzeitig spürt man aber auch die ganze Strecke über diese Lust an der Komödie. Zum Beispiel, wenn Tommi Mann abseits der Ermittlungen seine haarsträubende Romantasy-Geschichte entwickelt. „In der fesselnden Welt der Zwillingswelten, wo Eis und Feuer aufeinandertreffen und Verrat hinter jeder Ecke lauert, droht der machthungrige Feuerlord V‘lad, den majestätischen Eisplaneten Glacia mittels einer tödlichen Intrige zu erobern, unterstützt von der verräterischen Spionin Svea, die den weisen Frostkönig Lionel langsam vergiftet.“ Als Leser ist man natürlich froh, nicht Tommi Manns Romantasy lesen zu müssen, sondern ein paar Stunden mit Volker Klüpfels lebensnahen und sympathischen Figuren verbringen zu dürfen. Gerne mehr davon.

Volker Klüpfel: Mord ist die beste Beseitigung. Penguin Verlag. 352 Seiten, 24 Euro.