Die Berliner Schriftstellerin Annett Gröschner ist am Mittwoch mit dem Evangelischen Buchpreis ausgezeichnet worden. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde ihr in Nürnberg für ihren 2025 erschienenen Roman «Schwebende Lasten» überreicht, wie das Evangelische Literaturportal in Göttingen mitteilte. Im vergangenen Jahr erhielt Volker Surmann die Auszeichnung.
In ihrem prämierten Roman erzählt Gröschner fast ein Jahrhundert deutscher Geschichte entlang des Lebens der Magdeburger Arbeiterin Hanna Krause. Deren Leben ist geprägt von zwei Revolutionen, zwei Weltkriegen, zwei Diktaturen und zwei Demokratien.
In der Begründung der siebenköpfigen Jury heißt es:
«Hanna ist eine stille Heldin, keine Widerstandskämpferin, aber noch weniger eine Opportunistin. Hanna balanciert zwischen Auflehnung und Anpassung und trifft ihre Entscheidungen nicht aus ideologischen Gründen, sondern lässt sich von Menschlichkeit und Anstand leiten.»Â
Darin liegt der Jury zufolge die politische Kraft des Buches.
Kopp: Literatur stärkt Empathie
Der bayerische evangelische Landesbischof, Christian Kopp, sagte, Bücher wie «Schwebende Lasten» eröffneten Erfahrungsräume und machten Lebensgeschichten sichtbar, die sonst leicht übersehen würden. Literatur stärke «Empathie in Zeiten der Polarisierung» und bewahre Erinnerungen, «die sonst verloren gingen».
Besonders beeindruckt habe ihn an Gröschners Roman «die Feinheit dieses Buches», sagte Kopp – das Gespür für Blumen, Farben und die Schönheit kleiner Dinge mitten in einem oft schweren Leben. Hanna Krause erlebe Schönes und Schlimmes: «Und doch verliert sie nicht ihre Menschlichkeit.»
Der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und Vorsitzende des Evangelischen Literaturportals, Ernst-Wilhelm Gohl, übergab den Preis an Gröschner. Er würdigte, wie sie persönliches Schicksal und deutsche Geschichte «eindrucksvoll» verbinde.
Politische Kraft durch unsichtbare Entscheidungen
Annett Gröschner, geboren 1964 in Magdeburg, lebt seit 1983 als Schriftstellerin in Berlin. Bekannt wurde sie vor allem mit ihren Romanen «Moskauer Eis» (2000) und «Walpurgistag» (2011). Zuletzt erschien im Hanser-Verlag ihr gemeinsam mit Peggy Mädler und Wenke Seemann verfasster Bestseller «Drei ostdeutsche Frauen betrinken sich und gründen den idealen Staat» (2024).
Der Evangelische Buchpreis wird seit 1979 jährlich vom Evangelischen Literaturportal vergeben, dem Dachverband evangelischer öffentlicher Büchereien. Das Vorschlagsrecht haben nicht Autoren oder Verlage, sondern Leserinnen und Leser. Gesucht würden Bücher, «die anregen, über uns selbst, unser Miteinander und unser Leben mit Gott neu nachzudenken», hieß es.







